Drei-Flüsse-Zauber

Drei-Flüsse-Zauber

Am 5. Juni 2019 kam auf dem Main-Donau-Kanal bei der Schleuse Riedenburg die Binnenschifffahrt zum Erliegen, nachdem ein Hotelschiff das Schleusentor stark beschädigt hat, so dass es sich nicht mehr schliessen liess. Der Unfall ist scheinbar aus Unachtsamkeit geschehen. Der Schiffsstau ist in dieser Zeit auf 108 Schiffe angewachsen. Seit dem 19. Juni wurde die Schleuse wieder in Betrieb genommen. Aus diesem Grund kam unser Schiff, die «Antonio Bellucci» nicht bis nach Passau, sondern nur bis nach Regensburg, wo die Flussfahrt beginnen wird.

Mit Bussen fahren wir ab Zürich-Flughafen Richtung Regensburg, das wir am späteren Nachmittag erreichen. Hier wartet die «Antonio Bellucci», die nach dem italienischen Rokoko-Maler benannt wurde. Er war für seine Arbeiten in England, Deutschland und Österreich bekannt. Zeitweise lebte er in Düsseldorf am Hof des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz. Am 6. April 2012 erfolgte die erste Fahrt mit der «Antonio Bellucci», die 110 m lang und 11.45 m breit ist. Sie kann bis 140 Passagiere und 35 Personen Besatzung aufnehmen. Angetrieben wird sie durch zwei Caterpillar Dieselmotoren mit je 1000 PS, im Bug hat sie zusätzlich einen Elektromotor von 600 PS. Kapazitäten: 86‘705 Liter Diesel, 263‘100 Liter Trinkwasser, 451.779 Liter Ballastwasser.

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Nachdem Kabinenbezug erfolgt das Begrüssungs-Cocktail im Salon, wo sich Kapitän Benny de Surit mit seiner Besatzung vorstellt. Nebst 8 Balinesen gehören weitere Indonesier und auch Rumänen zur Besatzung. Von Dieter Kossak, dem Reiseleiter von Thurgau Travel, erhalten wir wichtige Informationen. Um 19 Uhr erwartet uns die Küchen- und Restaurantcrew zum ersten, feinen Abendessen. Danach beschliessen wir den ersten Tag mit einem Abendspaziergang der Donau entlang in die Altstadt von Regensburg.

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Der nächste Tag beginnt nachdem Frühstück mit einem geführten Rundgang durch Regensburg. Die Stadt zählt seit 2006 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Sie hat den zweiten Weltkrieg unversehrt überstanden. Das Wahrzeichen der Stadt ist die über 300 m lange «Steinerne Brücke» aus dem 12. Jh. Sie ist die älteste erhaltene Brücke Deutschlands. Nach der Erbauung war sie die einzige Donaubrücke zwischen Ulm und Wien. Es ist eine Steinbogenbrücke mit 16 Segmentbögen. Von den ehemals drei Türmen ist nur der Brückturm auf der Südseite erhalten geblieben. Das Stadtbild wird geprägt vom Dom St. Peter mit seinen zwei 105 m hohen Türmen. Er gehört neben dem Kölner Dom zu den bedeutendsten gotischen Kathedralen in Deutschland. Während der freien Zeit trinken wir Cappuccino und spazieren dann über die «Steinerne Brücke» zum Busbahnhof. Bei der Abfahrt des Busses Richtung Kelheim erleben wir ein heftiges Gewitter, glücklicherweise sitzen wir im Trockenen.

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Nachdem Light Lunch auf der «Antonio Bellucci» im Hafen von Kelheim, führt uns der Bus zur Anlegestelle der Ausflugsschiffe, die zum Donaudurchbruch, der Engstelle des Donautals bei Weltenburg, fahren. Die 45-minütige Fahrt geht durch das Naturschutzgebiet «Weltenbummler Enge» bis zur Benediktinerabtei Weltenburg. Dort interessiert uns vor allem die Klosterbrauerei, die erstmals im Jahr 1050 Bier braute und mit der Bezeichnung «Älteste Klosterbrauerei der Welt» wirbt. Ich trinke ein Weltenburger Kloster Barock Dunkel, das mehrmals mit dem «World Beer Award» in Gold, als bestes Dunkelbier der Welt ausgezeichnet wurde. Mit dem Bus geht es später auf den Michelsberg zur 45 m hohen Befreiungshalle, die König Ludwig von Bayern zur Erinnerung an die Freiheitskriege gegen Napoleon errichten liess. Danach verlassen wir Kelheim und sind endlich mit der «Antonio Bellucci» unterwegs.

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Am Sonntag gibt es ein Champagner-Frühstück und danach hören wir einen interessanten Vortrag über den Main-Donau-Kanal von Dr. Markus Urban. Der 171 km lange Main-Donau-Kanal zwischen Bamberg und Kelheim entstand zwischen 1960 und 1992. Faszinierend ist die mit viel Respekt in die Landschaft eingebaute Schleusentreppe mit 16 Schleusen, die lediglich von 4 Fernsteuerungszentralen bedient werden. Die Fallhöhen der Schleusen variieren von 5.30 m bis 24.50 m und bewältigen insgesamt eine Höhendifferenz von 165 m. In der Nacht passierten wir die Wasserscheide zwischen Rhein und Donau auf 406 m ü.M. An 8 Stellen führen erhöhte Brückenbauwerke über Flusstäler, Strassen und Fusswege. Neben den Brücken sind die 16 Schleusen die eindruckvollsten und technisch aufwändigsten Bauwerke entlang der Wasserstrasse.

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Nachdem Anlegen in Nürnberg, welche nach München die zweitgrösste Stadt Bayerns ist, besteigen wir den Bus für eine interessante Stadtrundfahrt. Wir erreichen die Zeppelinwiese, wo das ehemalige Reichsparteitagsgelände an die Geschichte der Nationalsozialisten erinnert. Das Gelände erhielt 1909 nach der Landung eines Luftschiffs des Grafen Zeppelin den Namen. Nach Plänen des Architekten Albert Speer entstand 1935-1936 das Zeppelinfeld mit steinernen Tribünen. Die nahezu quadratische Anlage ist auf die monumentale Haupttribüne mit der «Führerkanzel» ausgerichtet. Die Innenfläche von 312 m x 285 m bot für die Masseninszenierungen der Nationalsozialisten bis zu 200‘000 Menschen Platz. Danach geht’s zum Memorium der Nürnberger Prozesse. In diesem Gebäude begannen im November 1945 die sogenannten Nürnberger Prozesse gegen 21 führende Vertreter des Nazi-Regimes. Sie mussten sich im eigens umgebauten Schwurgerichtssaal wegen ihrer Verbrechen gegen Frieden und Menschlichkeit vor einem internationalen Militärgerichtshof verantworten. Von 1946 bis 1949 folgten hier 12 weitere Verfahren vor amerikanischen Militärgerichten. Die hervorgegangenen «Nürnberger Prinzipien» bilden heute die Grundlage für den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag.

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Von der Kaiserburg geniessen wir eine herrliche Aussicht auf die Stadt, um anschliessend gemütlich bis zum Hauptmarkt hinunter zu spazieren. Die Zeit reicht knapp um hastig ein grosses Bier zu kippen, bevor uns der Bus zurück zum Schiff fährt. Dort wartet in einem Biergarten direkt neben dem Schiff das nächste grosse Bier. Wie immer geniessen wir das Abendessen und danach die romantische Abendstimmung auf dem Main-Donau-Kanal.

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Als ich heute Morgen aus dem Fenster blicke, sehe ich, dass das Schiff schon im Hafen von Bamberg angedockt hat. Die Stadt gehört seit 1993 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Mit einem Touristenführer spazieren wir entlang des Ufers der Regnitz bis über die Markusbrücke. Am rechten Regnitzufer breitet sich der malerische Fischerbezirk «Klein Venedig» aus. Auf dem Domberg befindet sich der Bamberger Dom mit dem Grabmal des Kaiserpaares Heinrich’s II. und Kunigunde, ein handwerkliches Wunderwerk der damaligen Steinkunst. Vom Rosengarten bietet sich ein schöner Blick auf die Altstadt. Dann geht’s hinunter zur Rauchbierbrauerei «Schlenkerla». Der Name geht auf einen früheren Wirt zurück, der «a wengla mit seina Orm gschlenkert hot». Der übermütige Spottname «Schlenkerla» blieb später dem Haus und dem dort gebrauten Bier erhalten. Das «Aecht Schlenkerla Rauchbier» wird mit Grünmalz, angekeimter Braugerste in der hauseigenen Mälzerei auf ein engmaschiges Drahtgeflecht aufgeschüttet und durch die Hitze eines offenen Buchenholzfeuers getrocknet.

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Auf dem Main fahren wir nun 384 km bis zur Einmündung in den Rhein. Zwischen Bamberg und dem Rhein passieren wir 34 Schleusen mit einem Höhenunterschied von 149 m. In der Landschaft sehen wir grosse Teile des fränkischen Weinbaugebiets und zahlreiche, teils gut erhaltene historische Stadtkerne. Die grössten Ballungsräume befinden sich um Würzburg und Frankfurt.

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Light Lunch im Salon. Später halten wir die Hitze auf dem Sonnendeck mit Wind einigermassen aus. Ein Regenschirm ergibt ein bisschen Schatten. Nachdem Abendessen fühlt es sich auf dem Sonnendeck sehr angenehm an. Sobald der Wind stärker wird, beginnen wir auch schon zu frösteln, während das Abendgezwitscher der zahlreichen Vögel erklingt.

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Infolge besetzter Schleusen erreicht das Schiff Würzburg mit 1½ Stunden Verspätung. Mit Bussen werden wir zur Residenz, einer der bedeutendsten Schlossanlagen des Barocks in Europa, befördert. Seit 1981 gehört sie zum UNESCO-Weltkulturerbe. Mit einer Touristenführerin besichtigen wir einige der zahlreichen Räume, u.a. das Spiegelkabinett und das berühmte Treppenhaus. In der Zwischenzeit ist es Mittag geworden und die Temperatur stieg auf über 31°C gestiegen. Nachdem Light Lunch im Salon verlässt das Schiff über eine Schleuse Würzburg und wir schlagen uns den heissen Nachmittag um die Ohren. Die Gespräche mit Matrosen, dem Kapitän und balinesischen Küchenhilfen sind sehr interessant.

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Abends gibt es ein indonesisches Buffet und danach erleben wir lustige Vorführungen von der Crew unter dem Motto «es darf gelacht werden». Dendy spielt Gitarre und singt dazu mit seiner tollen Stimme.

Vor dem Frühstück bin ich zu einem Erkundungsspaziergang durch die Altstadt von Wertheim allein unterwegs. Bei der Stiftskirche finde ich den Weg hinauf zur Burg und geniesse die Aussicht auf die Umgebung. Die Burg gehört zu den grössten Burgruinen Deutschlands. Von dort spaziere ich der Tauber entlang bis zum «Wertheimer Beach Club» und weiter zum Schiff zurück. Um 9 Uhr begann die Führung durch die Altstadt von Wertheim. Am historischen Marktplatz mit seinen Fachwerkhäusern aus dem 16. Jahrhundert, befindet sich eines der ältesten und schmalsten Häuser Frankens, dass «Zobel’sche Haus». Im Glasmuseum, im ehemaligen «Kallenbach’schen» Haus aus dem Jahre 1577, erleben wir von einem Glasbläser eine Vorführung.

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Die nächste Führung erfolgt in Miltenberg. Auch diese historische Altstadt besitzt viele Fachwerkhäuser. Das «Gasthaus zum Riesen» hat schon viele berühmte Persönlichkeiten bewirtet: Kaiser Friedrich I. «Barbarossa», Martin Luther, Elvis Presley. Das älteste Gasthaus Deutschlands steht unter der Leitung der Brauerfamilie Faust. Nachdem wohlverdienten Bier im «Faust Bräustüble» spazieren wir dem Main entlang Richtung Schiffsanlegestelle. Gefallen finde ich an der 211 m langen Mainbrücke. Sie entstand 1900 als Bogenbrücke und wurde nach der Zerstörung 1945 in Stahlbeton neu aufgebaut.

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Gegen 6 Uhr passieren wir Frankfurt. Als ich auf das Deck trete, stört mich der Lärm des Verkehrs, der von weitem zu uns dringt. Nach Frankfurt fährt das Schiff fast lautlos und friedlich durch eine Naturlandschaft abseits von Rummel und Hektik. Nun erreichen wir das Mündungsgebiet des Main in den Rhein. Vor uns liegt die Stadt Mainz mit den Bonifazius-Türmen und dem Dom. Auf dem Rhein fahren wir nun bis nach Basel. Da alle niedrigen Brücken hinter uns liegen, wurde das Sonnendeck mit vier Sonnendächern freigegeben. Die Fahrt im Schatten mit zusätzlichem Wind ist angenehm. Vor dem Light Lunch begebe ich mich in den Whirlpool. Das Wasser ist viel zu warm, doch als ich heraussteige fühlt sich die Lufttemperatur kurze Zeit angenehm an. Abends ist das traditionelle Captain’s Diner angesagt, das mit einem Glas Champagner und einigen Häppchen beginnt.

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Wir befinden uns in Strassburg und die Zeit bis zum Mittagessen haben wir zur freien Verfügung. Wir spazieren entlang den beiden Quai «des Belges» und «des Alpes». Bei einer Abzweigung ist es zum Zentrum mit dem «Liebfrauenmünster» nicht mehr weit (etwa 3 km und 35-40 Minuten). Nach einer Stärkung geht es denselben Weg zurück zum Schiff. Nach dem Mittagessen umrunden wir mit dem Bus den Sitz des Europäischen Parlaments. Vom Jardin de la Place de la Republique spazieren wir in zwei Gruppen gemächlich Richtung Altstadt. Unsere Reiseführerin Patricia erzählt auf charmante und witzige Weise einiges über die Stadt. Vom Place Kléber geht es ins ehemalige Gerberviertel «Petite France» mit seinen beeindruckenden Fachwerkhäusern, die mehr als 300 Jahre alt sind. Um 17 Uhr verlässt das Schiff die Stadt und kurze Zeit später geniessen wir das letzte Abendessen.

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Am Morgen des letzten Tages erfahren wir, dass das Schiff während der Nacht mehrere Stunden bei den französischen Schleusen warten musste. Auch jetzt bei der Schleuse in Neuf-Brisach wird es länger dauern. Die Reiseleitung entscheidet, hier in an Land zu gehen und die restliche Strecke bis nach Basel mit Bussen zurückzulegen, da wir dem Schiff erst gegen Mittag in Basel eintreffen würden. Somit steigen wir kurz nach 9 Uhr in einen Bus und treffen eine Stunde später beim Hauptbahnhof Basel ein. Um 12 Uhr treffen wir nach einer spannenden Reise zuhause ein.

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Wir fuhren 924 Flusskilometer mit Total 64 Schleusen.

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