Südindien-Reise 2018

Südindien-Reise 2018

Unsere dritte Indien-Reise beginnt in Chennai (bis 1996 Madras) im Bundesstaat Tamil Nadu. Sie liegt an der Ostküste, am Golf von Bengalen. Schon am Airport wird unsere 14-köpfige Gruppe vom Reiseleiter Inder Jeet Singh empfangen. Mit einem Reisebus geht es rund 55 km südwestlich nach Mamallapuram an der Koromandelküste. Die Stadt ist bekannt für seinen Tempelbezirk mit seinen zahlreichen Baudenkmälern aus der Pallava-Zeit und gehört seit 1985 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

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Südöstlich des Ortszentrums werden fünf monolithische Tempel als die «Fünf Rathas»genannt. Die Tempel aus dem 7. Jahrhundert sind aus Dioritblöcken geschlagen und vermutlich gestalterische Experimente der lokalen Architekturschule.

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Der dem Hindugott Shiva geweihte Küstentempel befindet sich direkt am Strand und gehört zu den wichtigsten Bauten der Pallava-Architektur. Den Seeleuten war der Tempel als Leuchtturm bekannt.

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Ein beliebtes Fotomotiv ist der «Butterball Krishnas», eine riesige, auf einem Felsrücken liegende Felskugel, die den Eindruck erweckt jeden Moment herunterrollen zu können.

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Mamallapuram ist auch bekannt für seine Steinmetzkunst. Die Kunsthandwerker produzieren teils für den Souvenirmarkt, aber auch für Tempelneubauten und Ähnliches. Um das traditionelle Erbe der Steinmetzkunst zu pflegen, wurde 1957 die «School of Architecture & Art» gegründet. Sie wird heute von 220 Schülern besucht.

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Mit dem Bus erreichen wir im Hinterland Kanchipuram, eine der ältesten Städte Südindiens und auch als «Stadt der tausend Tempeln» bekannt. Sie zählt zu den sieben heiligen Orten des Hinduismus und gehört zu den wichtigsten Pilgerstätten Tamil Nadus. Die drei grössten Tempel repräsentieren jeweils eine der drei hinduistischen Strömungen, die in Kanchipuram präsent sind, den Shivaismus, den Shaktismus und den Vishnuismus.

Der Varadaraja-Perumal-Tempel ist Vishnu geweiht. Besonders kunstvoll sind die mit Löwen verzierten Säulengänge der Vorhalle. Reliefs entlang der Begrenzungsmauer des Tempels erzählen möglicherweise die Geschichte der Pallava-Dynastie.

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Der Ekambareshwara-Tempel ist dem Gott Shiva in seiner Gestalt als «Herr des Mangobaums» geweiht. In einem Innenhof steht angeblich ein 3500 Jahre alter heiliger Mangobaum mit vier Ästen, welche die vier Veden (heilige Hindu-Texte) repräsentieren.

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Der Kailasanatha-Tempel ist der älteste aller noch erhaltenen Tempel und überwiegend aus Sandstein erstellt. Es ist der eindruckvollste Tempel, der zu Ehren Shivas erbaut wurde.

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Unterwegs nach Ponducherry gibt es Zwischenstopps. An einer Lagune wird Salz gewonnen, später sehen wir die Verarbeitung von Kokosfasern. Die Fasern sind sehr dehnbar und langlebig. Neben ihrer hohen Abrasionbeständigkeit sind die Fasern auch unempfindlich gegen Pilz- und bakteriellen Befall und können monatelange Feuchte überdauern, ohne sich zu zersetzen.

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Im wunderschönen Hotel «La Villa Shanti» in Ponducherry verweilen wir vier Tage, um im nahen Auroville den geplanten Workshop zu besuchen. Ponducherry ist die Hauptstadt des gleichnamigen Unionsterritoriums und bildet eine Enklave im Bundesstaat Tamil Nadu. Die Stadt kam 1673 unter französische Herrschaft und blieb bis 1954 die Hauptstadt Französisch-Indiens. Deutlich ist der französische Einfluss mit seinem europäisch anmutenden Stadtbild noch spürbar. Später führt uns Herr Ashok von Intach, einer auf Sanierungen spezialisierten Firma, durch das französische Viertel.

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Eindrücklich ist die Besichtigung von «Golconde». Frau Shirpa, eine ältere indische Dame führt uns durch dieses Gebäude. Es wurde nach den Plänen des tschechisch-amerikanischen Architekten Antonin Raymond zwischen 1937 und 1945 gebaut. George Nakashima, ein amerikanischer Architekt und Möbelbauer, war Berater für die Bauarbeiten und fertigte hier seine ersten Möbel. Um die Auswirkungen des Klimas abzuschwächen, wurden die Hauptfassaden nach Norden und Süden ausgerichtet, wobei die kurzen Enden mit ihrer kleinen Oberfläche direkt der Sonne ausgesetzt sind, so dass die Wärmeabsorption auf ein Minimum reduziert wird. Eine Kombination aus beweglichen Lamellen an der Aussenhaut ermöglichen eine Belüftung, ohne die Privatsphäre zu beeinträchtigen. Die Einfachheit der Zimmer besteht aus einem Bett, einem Schreibtisch und einem Schrank. Die geradlinigen und konkreten Formen waren zu dieser Zeit radikal und experimentell. Trotz seiner Betonkonstruktion strebt das Gebäude in allen Details nach Leichtigkeit. Es ist erstaunlich, wie gut der Beton nach so vielen Jahren erhalten ist. Das Gebäude wird heute noch als Ashram genutzt.

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Auroville, die «Stadt der Morgenröte», liegt nur 9 km nördlich von Ponducherry. In dieser Siedlung leben Menschen aus aller Welt friedlich und unter ökologisch verträglichen Gesichtspunkten in einer spirituellen, religionsfreien Gemeinschaft zusammen. Einst war dieses Projekt für 50‘000 Menschen geplant, heute leben rund 2900 Personen aus 53 Nationen im Ort. Weitere Informationen unter www.auroville.org.

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Im «Unity Pavillon» erfahren wir einiges über die anfängliche Pionierarbeit des gemeinschaftlichen Zusammenlebens in Auroville. Nach einem Teabreak werden wir von Architekten zu den verschiedenen Gebäuden geführt. Wir erfahren einiges über nachhaltiges Bauen, über Bambus als Baustoff, über das Wassermanagement und über die Aufforstung des tropischen Waldes. Das Mittagessen erfolgt in der «Solar Kitchen» zusammen mit Bewohnern von Auroville. Wie üblich in Indien, müssen in Gebäuden die Schuhe draussen gelassen werden.

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Der «Matrimandir» ist ein sakraler, futuristischer mit goldenen Scheiben verzierter Tempel mit einer Inneneinrichtung aus weissem Marmor. Der Tempel dient den Bewohnern als Ort der stillen Meditation und wird als Seele Aurovilles bezeichnet. Er ist keiner Religion oder Sekte zugeordnet. Besucher müssen sich für eine Besichtigung anmelden, brauchen dazu aber eine gehörige Portion Geduld. Nachdem Kameras, Smartphones, Regenschirme usw. deponiert wurden, führt uns eine Frau auf Sichtweite des Tempels. Die Ruhe wurde langsam von einsetzendem Regen gestört. Helfer bringen Regenschirme und bedächtig nähern wir uns dem Eingang, wo wir die Schuhe deponieren. Bevor wir über eine teppichbedeckte Rampe zum «Inner Chamber»gelangen, müssen alle Socken anziehen. Es darf weder gesprochen noch gehustet oder geniest werden. Die Ruhe im «Inner Chamber» ist ein bisschen gespenstisch. Leider dürfen wir uns zur Meditation nicht hinsetzen.

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Die Sristi Village Foundation (www.sristivillage.org) ist ein kleines Dorf, das sich einige Kilometer ausserhalb von Ponducherry befindet. Sie hat zum Ziel, dass Menschen mit geistigen Behinderungen ein ganzheitliches und würdiges Leben führen können. Das Dorf besteht aus einfachen Hütten, aus traditionellen Baumaterialien erbaut. Menschen mit geistiger Behinderung sind an der Gestaltung und Errichtung der Hütten beteiligt. Wir wurden sehr herzlich empfangen und in einer Hütte gab es zwei Vorträge. Einerseits erzählt uns Frau Pornika von IN:CH Architects über die Arbeit der Organisation (www.in-ch-architects.com) und Herr Karthikeyan, der Gründer der Foundation, erzählt uns über das heutige Lichterfest Diwali. Die Lichter sind das wesentliche Element von Diwali. Ursprünglich waren es nur kleine Öllampen, heute sind es zunehmend elektrische Lichterketten an Wohnhäusern und Geschäften. Wie bei uns im Westen ist auch das Diwali-Fest von einer stillen und spirituellen zu einer lauten Konsumveranstaltung geworden. Anschliessend an die beiden Vorträge werden zahlreiche kleine Öllämpchen entzündet und wir erhalten Tee mit Gebäck. Zurück in Ponducherry geniessen wir das Abendessen auf der Dachterrasse eines Hotels, mit Blick auf die zahlreichen Feuerwerke.

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Im Indeco Hotel in Swamimalai, in der Nähe von Tanjore, werden alle mit einer Blumenkette empfangen. Nach einem Fruchtsaft entspannen wir uns bei einer Fussmassage.

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Im eher unbedeutenden Ort Darasuram steht der Airavadesvara-Tempel, der zu den bedeutendsten Bauwerken der Chola-Architektur gehört. Als einer von den drei «grossen Tempeln der Chola-Dynastie» gehört er seit 2004 zum Weltkulturerbe der UNESCO.

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Auf der Fahrt zur Tempelstadt Srirangam erhalten wir die Gelegenheit arbeitende Frauen auf Reisfeldern zu beobachten. Wir können es kaum glauben, dass die Frauen für fünf Stunden Arbeit gerade mal 120 Rupien (ca. 1.50 CHF) erhalten.

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Thanjavur (früher Tanjore genannt) liegt im Mündungsgebiet des Kaveri-Flusses, rund 320 km südlich von Chennai. Während des 9. bis 11. Jahrhundert war es die Hauptstadt des ehemaligen Chola-Reiches, des bedeutendsten mittelalterlichen Königsreiches in Südindien. Die Stadt ist berühmt für dem Gott Shiva gewidmeten Brihadishvara-Tempel. Auch er gehört seit 1987 zum Weltkulturerbe der UNESCO.

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Der Sarangapani-Tempel befindet sich in der bedeutenden Tempelstadt Kumbakonam. Mit seinen zahlreichen bunten Gopurams, die in den Himmel ragen erinnert er daran, dass die Stadt im Mittelalter der Sitz einer wichtigen südindischen Macht war.

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Inmitten von Tanjore, in einem Stoffladen werden wir mit Sari und Dhoti traditionell eingekleidet. Dothi ist das traditionelle Beinkleid der indischen Männer und das Gegenstück zum Sari der Frauen.

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Vor der 180 km langen Fahrt nach Madurai führt uns Herr Sudhir in Srirangam durch den Jambukeshwara-Tempel, der zu den «Fünf Elemente-Tempeln» gehört, in denen man Shiva als Manifestation der Elemente Feuer, Erde, Wasser, Wind und Äther verehrt. Bevor wir unsere Schuhe ausziehen sehen wir riesige Tempelwagen (Götterfahrzeuge), die bei Prozessionen zur Anwendung kommen. Im Inneren des Tempels steht angekettet ein Tempelelefant und nimmt Spenden entgegen. Danach legt er den Rüssel auf den Kopf von Gläubigen (Spendern) um ihn zu «segnen». Tempelelefanten gelten in Indien dank des Elefantengottes Ganesh als heilig, werden aber wenig artgerecht gehalten. Meistens leiden sie unter Bewegungsarmut und durch die vielen Menschen und die lauten Geräusche sind sie oft gestresst.

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In einem schweisstreibenden Fussmarsch erreichen wir auf etwa 300 Stufen den Rock-Fort-Tempel, der auf einem mächtigen Felsvorsprung in 83 m Höhe thront. Es ist ein historischer Festungs- und Tempelkomplex und das Wahrzeichen der Stadt Trichy (Tiruchirappalli). Der Felsen ist 3,8 Milliarden Jahre alt und gilt als eine der ältesten Felsformationen der Welt. Die Aussicht auf die Tempelstadt Srirangam ist phantastisch.

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Nach einem Thali-Gericht geht die Fahrt rasant auf der «Autobahn» Richtung Madurai. Thali bedeutet auf Hindi Platte und bezeichnet in der indischen Küche eine Mahlzeit, die aus verschiedenen, regionalen Gerichten und mehrheitlich aus vegetarischen Variationen besteht. Die Gerichte werden in kleinen Metallschalen auf einem runden Tablett mit einem Bananenblatt serviert. Dazu gibt es Reis und meistens auch etwas Naan (indisches Fladenbrot).

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Madurai ist eine der ältesten Städte Südasiens und die drittgrösste Stadt von Tamil Nadu. Hauptsehenswürdigkeit ist der Minakshi-Tempel mit seinen weithin sichtbaren zwölf Gopurams. Gopurams sind religiöse Tortürme, die in erster Linie dazu dienen, zusammen mit der Umfassungsmauer, den heiligen Tempelbezirk nach aussen hin weithin sichtbar abzugrenzen.Der Minakshi-Tempel ist der meistbesuchte Tempel Tamil Nadus. Nach einer Schätzung aus den 1980er Jahren besuchen täglich durchschnittlich 20‘000 Menschen den Tempel, an besonderen Feiertagen kann sich die Zahl verdoppeln. Der rechteckige Bereich des Tempels ist 258 x 241 m gross und wird von einer sechs Meter hohen Mauer umfasst. Die zahlreichen Bauteile verbinden sich zu einem verwinkelten und schwer zu überschauendem Komplex. Sehenswert ist auch die 1000-Säulen-Halle (tatsächlich beträgt die Anzahl der Säulen 1029). Sie dient heute nicht mehr ihrer ursprünglichen Funktion, sondern beherbergt ein Tempelmuseum mit einer Sammlung von Skulpturen. Kameras sind während der Besichtigung nicht erlaubt (die Fotos wurden dem Internet entnommen).

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Der Tirumalai-Nayak-Palast wurde 1636 als Mittelpunkt seiner Hauptstadt erbaut. Die Architektur ist eine Mischung aus drawidischen und islamischen Stylen. Die Grösse und sein drawidisch-islamischer Stilmix machen einen ziemlichen Eindruck und zeugen von den hochtrabenden Ambitionen seiner Schöpfer.

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Während des Spazierens durch die diversen Märkte sind wir uns einig, dass das heutige Mittagessen aus Kokosnüssen und Bananen besteht.

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Nun befinden wir uns im Bundesstaat Kerala und in der dichtesten besiedelten Region Indiens. Der Name bedeutet Kerala bedeutet wörtlich «Land der Kokospalmen». In religiöser Hinsicht ist dieser Staat gemischt. Hindus stellen zwar die Bevölkerungsmehrheit dar, doch der Anteil von Muslimen und Christen liegt deutlich höher als der gesamtindische Durchschnitt.

Die Fahrt führt kurvenreich durch das Bergland von Periyar, vorbei an Gewürz- und Teeplantagen. Beim Besuch einer Gewürzplantage erfahren wir einiges aus der Welt der Gewürze. Unser Führer erklärt uns die Geschichte und die Bedeutung von Gewürzen während wir durch die Plantage spazieren. Die reiche Auswahl reicht von Kardamom, Pfeffer, Nelken, Zimt, Muskatnuss, es gibt aber auch eine grosse Auswahl an Orchideen und Blumen zu sehen.

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Auf der weiteren Fahrt Richtung Alappuzha schmiegen sich Teeplantagen an die steilen Hänge. Wie schwer muss wohl die Arbeit der Teepflückerinnen in diesem Gelände sein?

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Alappuzha ist eine Hafenstadt mit einem der wichtigsten Seehäfen Indiens, über den heute Kopra, Kokosöl, diverse Gewürze, Zucker, Fischerzeugnisse und Betelnüsse ausgeführt werden. Dort beginnen die Kerala Backwaters, ein riesiges Netzwerk mit über 900 km langen Wasserstrassen, die die Küste umsäumen und bis in Landesinnere reichen. Lange bevor es Strassen gab, dienten diese Wasserläufe als Hauptverkehrswege. Viele Dorfbewohner nutzen auch heute noch überwiegend Paddelboote als Transportmittel. Hier besteigen wir ein Hausboot, um uns auf dem Kollam-Kottapuram-Waterway ins emsige Treiben der zahlreichen Hausboote einzumischen. Obwohl das Wetter feuchtheiss ist, geniessen wir die Ruhe auf dem Deck.

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Mit einem kleineren Boot fahren wir später langsam durch Kanäle, vorbei an der Natur und den dort lebenden Menschen. Das hat eine beruhigende Wirkung.

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Die Stadt Kochi liegt an der tropischen Malabarküste und ist die letzte Station für einige unserer Gruppe. Der historische Stadtteil Fort Kochi liegt an einem Naturhafen und ist jeher ein wichtiger Handelshafen, an dem sich die Wege der Kaufleute aus China, Arabien, Portugal und den Niederlanden kreuzten. Die St. Francis Church ist die älteste von Europäern erbaute Kirche Indiens. Sie wurde 1503 aus Holz errichtet und Mitte des 16. Jahrhunderts als Steinbau erneuert.

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In diesem historischen Stadtteil befindet sich unser Hotel, das Punarnava Ayurveda Resort in einem denkmalgeschützten Gebäude. Es bietet eine reiche Geschichte mit einer einzigartigen Mischung aus niederländischen, portugiesischen, britischen, jüdischen und arabischen Einflüssen.

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Nachdem uns am Morgen der Muezzin um 5.30 Uhr geweckt hat, wurden etwa 15 Minuten lang Gebete gesprochen. Anschliessend waren die Krähen mit ihrem Gekrächze an der Reihe. Vor dem Frühstück durften wir an einer Gratislektion in Meditation teilnehmen. Später besichtigen wir das «Dhobi Khana». Das ist die Bezeichnung für eine indische Wäscherei und wird im Englischen als «Platz der Waschmänner» bezeichnet. Es gibt hier weder Barcodes noch Chips und trotzdem funktioniert die Textildienstleistung, bei der jeder Kunde immer seine Wäsche zurückbekommt. Obwohl mit altertümlichen Methoden und rationierten Wassermengen kalt gewaschen wird, stimmt die Sauberkeit.

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Nachdem sich einige Personen unserer Gruppe verabschiedet haben, fahren wir mit dem Bus rund 200 km Richtung Süden nach Thiruvananthapuram, der Hauptstadt Keralas. Im Ayurveda-Zentrum Somatheeram an der Malabar-Küste werden wir eine Woche bleiben, um uns mit ayurvedischen Gerichten und ohne Alkohol zu «erholen».

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Zur Abwechslung unternehmen wir einen Ausflug zum Kap Komorin, dem südlichsten auf dem Festland befindlichen Punkt des indischen Subkontinents. Dort treffen der bengalische Strom, das Arabische Meer und der Indische Ozean zusammen. Der direkt am Kap gelegene Tempel ist der Göttin Kumari Amman gewidmet und für Hindus eine bekannte Pilgerstätte. Dem bekannten hinduistischen Mönch und Gelehrten Swami Vivekananda wurde 1970 ein Denkmal gesetzt. Auf dem anderen Felsen errichtete man im Jahr 2000 dem tamilischen Dichter Tiruvalluvar eine 40 m hohe Statue.

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Unterwegs ziehen wir zum letzten Mal unsere Schuhe für die Besichtigung eines wichtigen Hindu-Tempels aus. Es handelt sich um den Thanumalayan-Tempel in Suchindram. Alle Männer müssen zusätzlich ihren Oberkörper entblössen und einen Dhoti tragen. Als Besonderheit gibt es im Tempel vier musikalische Säulen, die aus einem einzigen Stein gehauen und 5.50 Meter hoch sind. Bei einem Schlag entstehen Töne in verschiedenen Musiknoten.

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Fazit: Damit neigt sich die vierte Reise im 2018 dem Ende zu. An dieser Stelle danken wir unserem Reiseleiter «Indi» für die kompetente Reiseführung. Durch ihn erlebten und sahen wir einiges auch ausserhalb der Touristenpfade.

Wir sind dankbar, dass wir im vergangenen Jahr so viele Reisen bei guter Gesundheit erleben durften. Wohin es in Zukunft gehen wird, das wissen nur die Götter!

2 Responses to Südindien-Reise 2018

  1. Lieber Markus, du hast einen sehr schönen Reisebericht verfasst. Als Mitreisende werden wir beim Lesen an intensive, lustige und ernsthafte Momente erinnert. Danke.

  2. Ich wusste es, dass du ein guter Schreiber bist. Du hast es wieder einmal bestätigt! Interessant, informativ und gut leserlich.

    Danke und Gruss Bruno

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